Tuol Sleng oder (fast) 5 Jahre Khmer Rouge
Wir lassen uns mit dem Moto Taxi zum Tuol Sleng Gefaengnis, auch bekannt als S-21, fahren. Mitten in einem guten Wohngebiet zeugt der auf den Mauern verbliebene Stacheldraht rund um das Gelaende von seiner fuerchterlichen Vergangenheit. Hier, in diesem Horrorkabinett haben die Roten Khmer ihre Horrorherrschaft praktiziert. Bildlich gesprochen haben die meisten Revolutionen in der Geschichte die schlechten Fruechte aus dem Korb herausgesucht und den Rest im Korb gelassen. Die Roten Khmer haben den ganzen Korb ausgekippt und nur die guten Fruechte wieder hereingelegt. Hiess, auf der Suche nach revolutionaeren Feinden hat das Regime seine Strategie mit kaum vorstellbarer Haerte verfolgt.
Ganz Phnom Penh wie alle anderen Staedte im Land wurden leergefegt, die Menschen auf's Land geschickt. Kritiker wurden gefoltert und letztlich in den Killing Fields getoetet. In dieser Schule wurden in den Gebaeuden Zellen und Folterkammern eingerichtet. Wie bei den Nazis wurden die Insassen in Tuol Sleng fotografiert und katalogisiert. Endlose Bilderreihen zeigen die Opfer, teilweise vor und nach der "Behandlung". Wer die Torturen nicht ueberlebte, wurde direkt auf dem Gefaengnisgelaende verscharrt. Wer ueberlebte, wurde zu den sogenannten Killing Fields gebracht und dort erschlagen. Das sparte die knappe Munition. Hunderte von deformierten Schaedeln zeigen, wie erbaermlich die Menschen gestorben sind.
In den Anfangszeiten der Revolution starben durchschnittlich 100 Menschen pro Tag. Die Dokumente folgende Anzahl Gefangener aus:
- 1975 – 154
- 1976 – 2.250
- 1977 – 2.330
- 1978 – 5.765 Das sind zusammen 10.499 Menschen.
Es wird geschaetzt, dass im S-21 ca. 2.000 Kinder getoetet wurden. Revolutionsgegner” wurden mitsamt der Familie inhaftiert.
Im ganzen Land gab es rund 170 solcher Gefaengnisse und 340 Killing Fields. Das Ziel der Roten Khmer war die eines unabhaengigen Bauernstaates. Speziell Intellektuelle galten als Revolutuionsfeinde. Eine Brille zu tragen war da schon ausreichend.
Weitaus mehr Menschen sind jedoch auf den Reisfeldern gestorben. Harte Arbeit, schlechte Ernaehrung und Krankheiten haben den Menschen schwer zugesetzt. Internationale Hilfe wurde abgelehnt. Schaetzungen zufolge sind bis zu 2 Millionen Menschen unter der Pol Pot Herrschaft ums Leben gekommen, fast 20 % der Bevoelkerung.
Der Besuch des Museums laesst Fragen offen:
- Wo sind die damaligen Anfuehrer heute? Noch sind nicht alle tot.
- Warum werden sie nicht zur Verantwortung gezogen?
(Kai Grimmel, Trat / Thailand, 16.01.2004)