Unsere Tour
- 5800 km gefahren
- 30 Tage Aufenthalt
- 1,08 Euro / Liter Benzin
- 1.600.000 TLira / Euro
- Budget incl. Benzin: 30 Euro / Person Tag
Strecke: Edirne - İstanbul - Yalowa (Faehre) - Bursa - Balikesir - Bergama - Dikili - İzmir - Aydin - Mugla - Fethiye - Ölüdeniz - Elmali - Kizlarsivrisi Tepe - Antalya - Manavgat - Seydısehır - Konya - Aksaray - Nevsehir - Göreme - Kayseri - Malatya - Nemrut Dagi - Kahta - Siverek - Viransehir - Mardin - Batman - Tavan - Van - Dogubayazıt - Gurbulak
Besondere Vorkommnisse:
- neue Reifen bei Taurus-Motorrad gekauft
- Angriff von Hirtenhunden Marke Kangal abgewehrt
- weitere Traveler bei Murat Camping in Dogubayazit getroffen
Land & Leute
Kaum haben wir die Grenze passiert, trifft es uns wie mit einem Hammer: der Liter Benzin kostet 1,08 Euro. Das hatten wir doch schon in Deutschland, oder? Auch so erscheint uns das Leben hier sehr teuer zu sein. Zu den Fernsehhits des letzten Jahres gehörte eine Variante der "Big Brother"-Show, bei der zwei Teilnehmer um die Wette sparten, um mit dem offiziellen Mindestlohn von 102 Millionen Lira, etwa 80 Euro, über die Runden zu kommen. "Untersteht euch zu gewinnen", warnte ein Zuschauer einen der beiden Kontestanten: "Sonst glaubt die Regierung noch, die Armut macht uns Spaß."
Die Wirtschaftskrise 2001 hatte die Türkei an den Rand des Bankrotts gebracht. Dass gerade der 11. September die Rettung darstellen würde, ist sarkastisch. Aber es stimmt. Die Türkei als wichtiger Nato-Partner wurde nun vom IWF und der USA unterstützt. Dass die Türkei nun den Preis für die Unterstützung der USA im Krieg gegen den Irak zahlt, war wohl nicht so von den türkischen Politikern vorhergesehen worden. Aber zur Zeit fließen fast keine Touristen-Dollars oder besser -Euros mehr ins Land. Es gibt einfach keine Touristen mehr. Ganze Hotelanlagen in Antalya bleiben geschlossen. Es kommt nicht nur einmal vor, dass wir die einzigen Gäste im Restaurant oder Hotel sind. Die Türken sagen uns, dass sie den Irak-Krieg nicht gewollt hätten. Aber da der Westeuropäer nun mal nicht gern in Regionen fährt, die nah an Krisenregionen liegen, ist es eigentlich egal, was die Türkei zum Krieg sagt, sie liegt einfach zu nah am Iran, jedenfalls wenn man in Deutschland auf dem Sofa sitzt und sich die Nachrichten anschaut. Vor Ort sieht es anders aus und wir haben kein "Sicherheitsproblem".
Im Osten (ungefähr ab Kappadokien), dort wo nur noch wenige Touristen hinfinden, hört für uns das "einfache" Reisen auf. Die touristische Infrastruktur machte doch vorher alles leichter. Es gibt nicht mehr so viele Hotels, bzw Campingplätze, alles ist nicht so sauber und gepflegt und die Verständigung wird auch schwieriger. Im Westen werden wir vor den Kurden gewarnt. Lass euch nicht übers Ohr hauen, hören wir mehr als einmal. Und somit sind wir mitten im nächsten Problem der Türkei: die Kurden. Ab Van-Gölü haben wir fast den Eindruck, durch ein besetztes Land zu fahren. Überall Militarkontrollen. Die netten Soldaten, die uns sogar mit Cola und Brot versorgen, sagen uns, dass sie da sind, um die Grenze zum Iran zu sichern, zu viele Schmuggler und illegal Einreisende. Aber wenn wir bedenken, dass erst im November letzten Jahres in einigen Gebieten hier der Ausnahmezustand aufgehoben wurde, wissen wir nicht, ob diese Straßensperren nur extern ausgerichtet sind. Angeblich sieht auch das Militär nicht mehr die Kurden als größte Gefahr für den Staat an, sondern die Korruption und Rückschrittlichkeit. Allerdings ist es immer noch nicht so einfach möglich, auch nur kurdische Lieder zu singen. So wurde lt. Amnesty International noch im letzten Jahr ein Busfahrer zu 45 Tagen Haft verurteilt, weil er in seinem Bus kurdische Musik gespielt hat. Und auch in einem Restaurant in Dogubayazit kommt abends die Polizei, und verbietet die kurdischen Lieder. Dass die gleichen Typen aber einen Abend vorher in dem Restaurant türkisches Liedgut gepflegt haben und dabei nach jedem Lied raus gingen und mit ihrer 45'er in der Gegend rumballerten, ist schon befremdlich.
Macht Spass zu lesen? Das Ende der Geschichte findet ihr in unserem Buch.
(Ulrike Teutriene, Yazd / Iran, 27.07.2003)