Vertreibung aus dem Paradies
Wir wären gern noch länger im Paradies geblieben, aber wir wurden vertrieben. Und zwar von anderen Touristen, die unser Zimmer bereits im Voraus gebucht hatten. Wir verlassen also Slovensky Raj, das slowakische Paradies unfreiwillig. So müssen sich Adam und Eva gefühlt haben.
Sollen wir es als herben Schlag bezeichnen? Durch einen Hinweis auf eine Internetseite kommen wir auf die Idee, in Slovensky Raj (Slowakisches Paradies) zu wandern. Es soll dort wunderschöne Schluchten geben. Wir finden, nicht ganz einfach, eine Hütte mit einer deutsch sprechenden Wirtin, in der wir ein schönes Zimmer beziehen. Ihre Tipps für die Wandertouren sind inklusive.
Und dann geht es los. Wir sind wirklich überrascht über die Natur dort. Obwohl die Slowakei an sich große Probleme durch Sauren Regen hat, ist das Slowakische Paradies als Naturschutzgebiet ein wahres Kleinod. Da es inzwischen auch sehr gut touristisch erschlossen ist, macht das Wandern richtig Spass. Sehr gut touristisch erschlossen heißt nicht, Pommesbuden an jeder Ecke und Sessellifte auf jeden Berg. Nein, die Wege sind sehr gut gekennzeichnet, schwierige Stellen mit Leitern, Tritten und Seilen gesichert. Und was uns am meisten hilft: es gibt eine sehr gute Wanderkarte, in der die Wanderzeiten für alle Wege (in beide Richtungen) angegeben sind. So erwandern wir in drei Tagen drei Schluchten, klettern dabei bis zu 15 Meter hohe Leitern hoch, balancieren über Holzstege (was nicht so einfach ist, Kai hat jetzt noch blaue Flecken) und waten durch Flussbette. Drei Tage, die uns schwitzen, aber auch genießen haben lassen.
Zum Abschied dürfen wir multikulturell mitfeiern. In der Hütte ist eine Gruppe Geschäftsfreunde aus Slowakien, Tschechien und Polen eingemietet. Die feiern und zwar so, wie wir uns "Feiern im Osten" vorstellen. Alkohol und Gesang, und davon reichlich. Nachdem Kai als Außenstürmer beim Fussballspiel eingesetzt wurde, sind wir schnell integriert. Dafür das Slibovice keine Kopfschmerzen oder bleibende Schäden verursacht, sind wir heute noch sehr sehr dankbar.
(Ulrike Teutriene, Bulgarien, 11. Juni 2003)