MAG und der geheime Krieg in Laos
"Kein Betroffenheitsjournalismus" sagt Kai zu mir und deswegen werde ich nun nur die Fakten nennen.
Zwischen 1964 und 1973 flog die USA 580.344 Bombenangriffe ueber Laos. 1,6 bis 2 Millionen Tonnen Bomben (je nach Quelle) wurden waehrend dieser Zeit abgeworfen. Das entspricht 17 Tonnen je Quadratmeter. Zum Vergleich: Waehrend des II. Weltkrieges wurden ueber Deutschland 1,36 Millionen Tonnen abgeworfen. Die durchschnittlichen Kosten des Laos-Bombardements betrugen 2.190.000 USD pro Tag.
Laos wurde ungewollt zum Kampfplatz der Supermaechte waehrend des kalten Krieges. Da die kommunistischen Nordvietnamesen immer wieder in Laos eindrangen, unterstuetzten erst Frankreich und dann auch die USA die laotische Regierung. Nordvietnam erhielt Hilfe von Russland und z.T. auch China. 1962 wurde in Genf ein Friedensabkommen geschlossen. Kurz gesagt, wurde darin festgelegt, dass Laos ein neutrales Land bleibt und alle auslaendischen Truppen abzuziehen haetten. Alle zogen ab, bis auf die Vietnamesen, die sogar noch verstaerkt am Ho Chi Minh Pfad, der durch den Sued-Osten Laos fuehrt, arbeiteten. Offiziell bestritten sie allerdings jede Aktivitaet in Laos. Da das Genfer Friedensabkommen hauptsaechlich auf Bestreben der Grossmaechte USA, Russland und China abgeschlossen wurde, konnte die USA Laos nicht beim Kampf gegen die Kommunisten helfen, die ja offiziell nicht im Land waren. Um nicht einen neuen Weltkrieg zu provozieren, wurden nur Geheimdienstleute und "Zivilisten", Piloten, die von der Airforce freigestellt wurden, im Einsatz. Sie unterstuetzten die Royalisten und Hmong, ein Volksstamm, der sich besonders vehement gegen den Einmarsch des Vietcong wehrte. Die Hmong werden deswegen noch immer verfolgt. Die Ausrottung des Volkes hat sich die Laotische Volkspartei vorgenommen und auch heute noch tauchen immer wieder Hmong als "Rebellen" auf, um sich zu wehren. Ob nun die Amerikaner recht haben, die sagen, sie haetten die Freiheit der Laoten verteidigt, oder die Friedensaktivisten, die dagegen anfuehren, dass die amerikanischen Piloten Maenner, Frauen und Kinder, also Zivilisten bombardiert, haben wissen wir nicht. Um so mehr wir zu dem Thema lesen, um so unsicherer sind wir mit einer eigenen Meinung. Die ganze Sache ist aeusserst komplex und vor dem Hintergrund des kalten Krieges zu sehen.
Tatsache ist, dass Laos zum "Pro-Kopf" am staerksten bombardierten Landes wurde. Die Bomben fielen fast ausschliesslich in den Plain of Jars und im Sueden entlang des Ho Chi Minh Pfades.
Letztendlich haben die laotischen Kommunisten die Oberhand gewonnen, seit 1973 herrscht Friede und seit 1975 Pathet Lao (die Laotische Revolutionäre Volkspartei). Die Kriegsfolgen sind aber bis heute nicht behoben, denn es wird geschaetzt, dass bis zu 30% der abgeworfenen Bomben nicht explodiert sind.
Mitarbeiter von MAG, Mines Advisory Group, die hier zusammen mit UXO Laos Leuten an der Entschaerfung dieser Bomben arbeiten, sagen uns, dass fast jede Woche Unfaelle, oft mit tödlichen Folgen, durch UXO's (unexploded ordenance = nicht explodierte Bomben) geschehen. Besonders gefaehrlich sind die so genannten Bombies. Das sind kleine tennisballgrosse Sprengkoerper, die mittels Streubomben abgeworfen werden. Oeffnet sich die Streubombe nicht frueh genug, haben die Bombies nicht genug Zeit, zu explodieren und fallen zu Boden. Der Streuwinkel ist sehr hoch, so dass eine grosse Flaeche mit Bombis versucht wurde. Gerade Kinder heben diese gelben, glaenzenden Bomben hoch, weil sie oft nicht wissen, was sie da in der Hand halten. Oder weil sie die Stahlkugeln, die sich als Munition fuer Wurfschleudern hervorragend eigenen, aus den Bombies herausholen wollen. Oftmals explodieren die Bomben dabei und verursachen schreckliche, oft toedliche Wunden.
Aber es sind nicht nur diese Unfaelle allein, die Laos belasten. UXO's in einer Region bedeuten:
- verseuchtes Land, dass nicht fuer die Landwirtschaft oder Hausbau zur Verfuegung steht;
- hohe Kosten, um Land zu kultivieren (Um ein fussballgrosses Feld 100% sicher auf Bomben abzusuchen, sind mehrere Personen monatelang beschaeftigt.);
- hohe Medizinkosten durch Unfaelle
- hohe Folgekosten, weil ein Familienmitglied aus dem "Produktionsprozess" ausfaellt und evtl. zum Pflegefall wird;
- von den mentalen Folgen wollen wir gar nicht sprechen.
Die Leute von MAG, die wir in Saravan treffen, sagen uns, dass sie es wahrscheinlich nicht mehr erleben werden, bis das Land ganz gesaeubert ist. Und selbst wenn, neue Arbeit wartet schon, denn im letzten Irakkrieg wurden wieder Streubomben eingesetzt, Bomben, die reine Anti-Personen-Bomben sind.
Wer sich eingehender mit diesem Thema beschaeftigen moechte, dem empfehlen wir
MAG http://www.mag.org.uk
Time Magazin Asia http://www.time.com/time/asia/photoessays/laos/
Und die Buecher von Christopher Robbins, "The Ravens - Pilots of the secret war in Laos" und "Air America" geben einen guten Einblick. Die Buecher sind in englisch und nicht einfach in Europa zu bekommen. In Thailand sind sie ohne Probleme in grossen Buchhandlungen zu bekommen.
((Ulrike Teutriene, Tanah Rata / Malaysia, 30.03.2004)