Grenzerfahrung ...
Bikes on World Tour
Kinder einfach ueberall

Kampf der Huehnergrippe

Kaum sind wir ueber die Grenze, wird es uns klar. Das schlimmste Ereignis fuer Laos war wohl die Erfindung der Plastiktuete. Ueberall liegen sie am Strassenrand und haengen in den Baeumen. Und wir dachten, Indien ist dreckig. Gott-sei-Dank taucht dieses Plastiktuetenproblem immer nur an den Hauptbusrouten auf, und dann auch nur ein paar Kilometer nach den Pausenstopps. Dort wird der Snack fuer die Fahrt gekauft und da hier alles doppelt in Plastiktueten verpackt wird und sich ueber die Entsorgung noch niemand so richtig Gedanken gemacht hat, werden die Dinger dann kurzer Hand aus dem Busfenster geschmissen. Die Essensreste werden an der Busgardine abgewischt, wie wir hoeren.

Dass die Plastiktueten nicht die groessten Probleme in Laos sind, wird uns schnell klar. Schon der Reisefuehrer warnt vor Wanderungen abseits der ausgetretenen Pfade. Zu viele Bomben aus der Zeit des geheimen Krieges, den die Amerikaner hier in den 60'er und 70'ern gefuehrt haben, liegen noch herum und warten nur darauf, explodieren zu duerfen. Eine wirklich gefaehrliche Sache.

Trotzdem ist Laos ganz schnell eines unserer Favoritenlaender geworden und steht auf einer Stufe mit Rumaenien und Pakistan. Es sind die herrlichen Bergstrassen, die uns so gut gefallen. Nach dem Stueck zwischen Vientieane und Vang Vieng schaut Kai, als haette ihm ein Engelchen in enger Lederkombi uebers Herz gepillert. Seelig liegt er im Bett und traeumt von den Asphaltkurven mit dem perfekten Gripp. Aber was das Ganze noch besser macht, sind die freundlichen Menschen und besonders die Kinder, die oft am Wegrand stehen, uns zuwinken und Sabadiiii / Guten Tag rufen. Aber so freundlich die Kleinen auch sind und oft von sich aus uns zuwinken, so sind sie doch ziemlich zurueckhaltend, wenn wir anhalten und unsere Helme absetzen. Kai schafft es sogar einmal, ein paar junge Maedchen, die an uns auf einem schmalen Weg vorbei muessen, so zu erschrecken, dass sie ins Feld laufen. Naja, es sind wohl mehr junge Huehner. Aber einmal passiert es uns tatsaechlich, dass zwei kleine Kinder schreiend vor uns weglaufen. Der kleine Junge macht ohne Probleme 50 Meter wett, und beobachtet uns aus sicherer Entfernung, aber seine kleine Schwester kann nicht so schnell laufen und bleibt dann auch noch am Hang haengen. Da ist der Schreikrampf vorprogrammiert und nur Mutti, die in der Naehe auf dem Reisfeld arbeitet, kann helfen. Ob den Kindern hier nicht mit dem "Schwarzen" sondern dem "Weissen Mann" gedroht wird?

Laos ist das erste kommunistische Land, durch das wir reisen. Wir suchen verzweifelt nach Hammer und Sichel, oder doch wenigstens nach lebensgrossen Bildern der Parteispitze. Selbst in der Bank, in der wir problemlos und schnell Geld wechseln, haengen keine Bilder sondern ein Fernseher, auf dem Star Sports laeuft. Die Vierschanzentournee ist in vollem Gange. Schade, dass das Geldwechseln so reibungslos ablaeuft.

1975 verschwand Laos hinter dem Bambusvorhang und tauchte erst 1986 wieder auf. Damals wurde offiziell die Marktwirtschaft und der Tourismus zugelassen. Seit 1991 wurde das Bekenntnis zum Privateigentum in die Verfassung aufgenomen. Allerdings wurde im gleichen Zug auch das Machtmonopol der Laotischen Revolutionaeren Partei festgelegt.

Seit damals hat sich einiges veraendert. Allein in den letzten 10 Jahren hat der Tourismus um 2.000% zugenommen (in Worten zweitausend). Aber es kommt uns immer noch paradisisch ruhig vor, im Vergleich zu Thailand. An vielen Orten, die schon touristisch erschlossen sind, finden wir immer noch ein Leben vor, wie vor 123 Jahren (kleiner Scherz, gez. der Saetzer). Oft sitzen wir in Tad Lo vor unserer kleinen Huette und schauen den Menschen bei ihrem taeglichen Leben zu, das sich hier am Fluss abspielt. Morgens gehen die Kinder zum Wasserfall und sammeln Krebse, Muscheln und kleine Fische. Nachmittags geht der Wasserbueffel baden, weil es ihm zu heiss geworden ist. Abends kommen die Leute vom Feld und waschen sich und ihre Waesche im Fluss. Schweine und Huehner laufen durchs Dorf und suchen sich ihr Futter selbst. So war es wohl schon immer, so wird es sicherlich auch noch eine Weile bleiben. Denn Laos ist arm und der Laote doch mehr lethargisch. Und dieses Ruhige und Behaebige macht das Land so sympathisch. Aber wie gesagt, das loesst auch nicht alle Probleme.

Dass Laos nicht nur wirtschaftliche Probleme hat, ist ganz schnell bei Amnesty International nachzulesen. Es wird gefoltert und Andersdenkende unterdrueckt und es werden z.T. sogar Christen verfolgt, und das von Buddisten. Sachen gibts.

Laos ist wohl das einzige kommunistische Land, dass quasi eine Staatsreligion hat. Es gibt ueberall Tempel, die auch recht gut gepflegt sind. Ob das mit dem Entwicklungsgeld passiert, dass ins Land fliesst, wissen wir nicht. Denn Geld kommt kraeftig. Das sehen wir nicht nur an den vielen dicken Gelaendewagen, die die Aufkleber der Hilfsorganisationen tragen. Wagen, die sich ein normaler Laote so schnell nicht leisten kann. Da loben wir uns doch die Bayern, die bei einem Projekt zur Aufforstung dem deutschen Experten in Nepal ein „Dienstmoped“ zur Verfuegung stellen. Er faehrt dann mit genau dem gleichen Fortbewegungsmittel durch die Gegend wie die Einheimischen. So bleibt man buergernah!

Eigentlich hatten wir ja ganz Suedostasien meiden wollen. Bei unserer Reiseplanung war die SARS Hysterie gerade voll auf ihrem Hoehepunkt. Aber da die Epidemie ja nun in der Zwischenzeit verebbt ist, haben wir es nun doch gewagt. Und kaum sind wir hier, bricht die Huehnergrippe aus. Kai hat sein ganz eigenes Mittel gefunden, um gegen diese Huehnergrippe vorzugehen. Er faehrt einfach drueber, ueber die Huehner. Drei Stueck hat er regelrecht auf die Strasse geklebt. Ob er das extra gemacht hat oder die Huehner einfach zu bloed sind und genau dann die Strassen kreuzen muessen, wenn wir vorbeikommen, das kann sich jeder, der Kai kennt selber beantworten. Die anderen muessen wohl ewig unwissend bleiben.

((Ulrike Teutriene, Tanah Rata / Malaysia, 30.03.2004)