Grenzerfahrung ...
Bikes on World Tour

Reisetagebuch 1. Tag Karakorum Highway (KKH), Besham – Dassu, 80 km

Wir sind drauf, auf dem KKH. Die ersten 80 km sind wir heute gefahren. Hierauf hat Kai regelrecht hingefiebert. Zwischendrin sah es ja so aus, als ob wir es rein zeitlich mit unserem 15-Tage-Visum nicht schaffen. Aber Simon & Georgie (2 Englaender, die wir in Kerman getroffen haben) haben uns Mut gwemacht. Und so sind wir halt durch West-Pakistan geknueppelt, um moeglichst schnell hier hinzukommen. Und jetzt sind wir drauf, auf dem Karakorum Highway.

Eine ganz besondere Faszination geht fuer uns von diesem Namen aus. Wilde, fast unzaehmbare Natur, der Kampf, die Strasse zu erhalten, die unbeschreiblichen Berge.  Fast 1300 km ist der KKH lang, davon ueber 800 km in Pakistan. 12 Jahre hat es gedauert, bis er errichtet war und er hat einigen Menschen das Leben gekostet. Er fuehrt durch eine Ecke der Erde an der 3 grosse Gebiergsketten zusammenkommen, der Himalaya, der Karakorum und das Pamirgebirge. Erdrutsche und auch Erdbeben sind keine Seltenheit.

Und jetzt wo wir auf dem KKH fahren, spueren wir ein unbeschreibliches Gluecksgefuehl. Die ersten 80 km sind schon recht anstrengend. Schlagloecher, Erdrutsche, Steinschlag, die Strasse sieht ganz schoen mitgenommen aus, hoffentlich wird es nicht noch schlimmer, sonst werden die Tagesetappen ganz schoen hart.  

2. Tag KKH, Dassu – Gilgit , 290 km

Wir schaffen es tatsächlich, um 8.00 Uhr loszufahren. Auf dieser Piste sind die 290 km ein ganz schöner Ritt. Langsam wechselt die Landschaft. Während unten weiter noch die Berge grün sind, wird es jetzt langsam grau und karg. Das Grün war schon Klasse. Nach so langer Zeit in wüssten Gegenden, sind die Reisfelder eine wahre Augenweide. Aber nun bleibt es erstmal wieder karg.

Wir kommen an Stromschnellen vorbei, die uns schaudern lassen. Gut, dass wir dort nicht durch müssen, durch die 2-3 m hohen Wellen. Dann wird der Indus wieder etwas ruhiger, dafür werden die Erdrutsche beeindruckender. Wenn wir an den Erdrutschfeldern vorbeifahren und dabei hochschauen, bekommen wir Gaensehaut. Riesige Steine haengen noch im Berg. Jetzt wissen wir, warum Karakorum "bröckelnder Fels" heißt. Wenn sich da jetzt einer löst …

Tatsächlich scheint auch kurz vor uns einiges heruntergekommen zu sein. Wir kommen um die Kurve und alles steht. Eine uralte Planierraupe schiebt gerade Massen von Geröll in den Abgrund. Alle sitzen und schauen zu und warten. 

Der letzte Teil nach Gilgit führt durch ein weites Tal, aber auch hier viel Erosion. Wir machen Strecke, die Kurven sind schön lang-gezogen, es geht voran. Aber immer zwischen-drin ein Blick auf die Berge, sofern es möglich ist. Heute ist es ganz verhangen. Es ist halt Monsun. Aber den Nanga Parbat  (8125 m hoch) haben wir gesehen

In Gilgit geht es zu Madina’s Guesthouse. Eine wahre Oase fuer uns. Ruhig, sauber, andere Reisende mit denen wir uns austauschen koennen. Niemand der ruft: Hallo Mister! Die Kinder unterwegs sind manchmal eine Plage. Sie werfen mit Steinen oder machen sonst einen Bloedsinn. Aber viele sind auch ganz lieb und winken uns zu.

Wir fallen wirder total erschoepft ins Bett. 

Macht Spass zu lesen? Wie wir den gesamten KKH abfahren, findet ihr in unserem Buch.

(Ulrike Teutriene, McLeod Ganj, Indien, 24.08.2003)