Grenzerfahrung ...
Bikes on World Tour

Iran (07/2003)

  • 66,1 Mio Einwohner = 40 Einwohner je qkm
  • 3.300.000 qkm = 9 mal so gross wie Deutscland
  • 3.600 USD Bruttoinlandsprodukt pro Kopf (2002)
  • 53 % unter der Armutsgrenze
  • 14 % Arbeitslosenquote
  • ca 167.000 km Strassennetz davon 90.000 km unbefestigt

(Quelle: CIA Factbook 2002)

 

 

 

Fahren, fahren und nochmals fahren
2600 km in 7 Tagen - nicht zu schaffen

Unsere Tour

  • 3540 km gefahren
  • 15 Tage Aufenthalt
  • 0,08 Euro / Liter Benzin
  • 9000 Rial / Euro
  • Budget incl. Benzin: 19 Euro / Person Tag

Strecke: Bazargan - Tabriz - Takht-e Soleiman - Qazvin - Qom - Kashan - Abyaneh - Esfahan - Naein - Yazd - Kerman - Bam - Zahedan - Mirjaweh

Besondere Vorkommnisse:

  • keine Visumsverlängerung (Transit) in Tabriz, Qazvin, Esfahan und Yazd
  • nervende Mopedfahrer
  • freundliche Menschen abseits der großen Städte

 

Land & Leute

Noch auf der türkischen Seite der Grenze treffen wir Agnes und Skip, die gerade aus dem Iran kommen. Sie erzählen so enthusiastisch, dass wir uns richtig freuen, in den Iran zu reisen. Und es ist in der Tat ein interessantes Land. Für uns uns hat es zwei Gesichter. Auf der einen Seite die Bürokratie und Verwaltung, mit Beamten, die einem nicht helfen wollen oder können. Auf der anderen Seite die Menschen, die wir unterwegs treffen. Immer wieder werden wir von Leuten freundlich angesprochen. Wir  werden gefragt, ob wir Hilfe brauchen, oder wir werden zum Essen eingeladen. Gerade die Frauen stehen immer wieder um mich herum, staunen, dass sie Motorrad fahren darf. Im Iran sind eh nur Mopeds bis zu 180 ccm zugelassen und nur in Teheran ist es Frauen erlaubt, damit zu fahren. Wir haben allerdings keine gesehen. Es soll aber eine Fahrschule für Frauen geben.

Ach ja, Frauen und der Iran. An das Kopftuchtragen kann ich mich nicht gewöhnen. Dafür ist es einfach zu heiss. Und beim Motorradfahren, wenn wir eine Pause machen, trage ich eine Kappe. Es hat nie jemand etwas gesagt, noch wurde sie nicht respektvoll behandelt. Kai als Mann hatte eh nie Schwierigkeiten mit dem respektvollen Behandeln. Er ist sogar ein paar mal von Frauen gegrüßt worden, etwas was sich doch eigentlich gar nicht gehört, aber er ist einfach so charmant…

Respektvolle Behandlung war für die einheimischen Frauen nicht immer selbstverständlich. Im Reiseführer steht, dass die Frauen nach der islamischen Revolution endlich nicht mehr auf der Straße belästigt werden. Aber was ist das für eine Gesellschaft, in der sich entweder alle Frauen unter dicken schwarzen Umhängen verstecken müssen oder sie auf der Straße belästigt werden, gerade so, wie es den Kerlen in den Kopf kommt? Für uns gibt es dazu nur einen Kommentar: krank.

Etwas was uns völlig unfassbar da stehen läßt, ist der Straßenverkehr. Wir haben das Gefühl nur von liebenswerten Chaoten umgeben zu sein. Oder das Allahvertrauen ist so groß, dass sie glauben, ihnen kann nichts passieren. Auf der Landstraße wird vor der Kuppel und in völlig unübersichtlichen Kurven überholt. Verkehrsregeln scheint es in der Innenstadt nicht zu geben. Rote Ampeln? Hat keiner gesehen. Eine Lücke auf der Gegenfahrbahn? Das bringt den entscheidenden Vorsprung, also nichts wie rein. Dass dann nichts mehr vorangeht? Egal, Hauptsache der Vorsprung ist gesichert.

Wirklich zum Haare raufen, bzw. für Kai mehr zum “Aus der Haut fahren”, sind die Jugendlichen mit ihren Mopeds. Wenn wir in eine neue Stadt einfahren, können wir davon ausgehen, dass wir von ihnen umringt werden. Möglichst eng ran, möglichst zeigen, was für tolle Fahrer sie sind. Dass wir zum Teil kaum manövrieren können, wenn wir voll bepackt sind und wir einfach nur nach dem Weg suchen, können sie sich in ihrer jugendlichen Naivität kaum vorstellen. Die Älteren fragen uns schon mal, wohin wir wollen und fahren vor. Das versöhnt uns dann wieder. Und schließlich wird uns eine solche Ehre nicht in jedem Land zuteil.

Motorräder anfassen scheint auch das tollste zu sein. Als allerdings einer von den Halbstarken ankommt, ohne ordentlich zu Grüßen und an dem  Gasgriff der F650 rumfingert, während das Motorrad läuft, haue ich ihm auf die Finger und provoziere damit fast eine Schlägerei. Wir verziehen uns, sind uns aber nicht sicher, ob wir nicht doch das nächste mal absteigen sollen und den Jungs zeigen, wo der Frosch die Locken hat.

(Ulrike Teutriene,  McLeod Ganj / Indien, 23.08.2003)