Die sagenumwobene Gibb River Road
Wir geben uns die absolute Dreckpiste mit der Gibb River Road in den Kimberleys im Nordwesten Australiens. Die Region der Kimberleys ist deutlich grösser als Deutschland, jedoch etwas kleiner als Frankreich. Der Reiz dieser Region liegt in ihren landschaftlichen Kontrasten: Kleine Oasen mit dschungelartig-grünen Palmentälern, Wasserfällen und heißen Thermalquellen verstecken sich zwischen rotleuchtenden Schluchten und Karstplateaus mit Eukalypten-Bewuchs. Es gibt eigentlich nur 2 Wege durch die Kimberleys, den Highway No 1, der erst in den 80'er Jahren vollstaendig geteert wurde und die unasphaltierte Gibb River Road.
Meine erste Erfahrung mit der Gibb River Road (GRR), einer 667 Kilometer langen Outback-Piste, habe ich vor 4 Jahren auf einer Yamaha 350 TT gemacht. Damals goennte ich mir den Luxus einer gefuerhten Tour mit Rugged Red, bei der uns im Servicewagen Gepaeck, Versorgung und viel kaltes Bier hinterhergefahren wurden. Mit dem Wissen von heute betrachtet, die beste Variante, diese Ecke zu bereisen, denn schwere Maschinen mit viel Gepaeck stellen extreme Ansprueche an das eigene Fahrkoennen. Auf dieser Piste werden seit 30 Jahren die Kimberley-Rinder zwischen Wyndham im Norden und Derby im Westen transportiert und von hier beispielsweise nach Indonesien verschifft. Es sind aber nicht hauptsaechlich die Road Trains (LKW's mit einem Auflieger und bis zu zwei Anhaengern, bis zu 52 Meter lang und 120 Tonnen schwer), die die Strasse so in Mitleidenschaft ziehen sondern die vielen Touristen, die mit ihren Gelaendewagen ueber die Piste duebeln. So ist das Wellblech hier boes. Und wir meinen wirklich boes. Aber hoch zum Mitchell Plateu ist es noch schlimmer. Wir kommen langsam voran und fluchen dafuer umso schneller. Das Motorrad wird kraeftig geschuettelt. So stark, dass in Broome wieder die Lenkkopflager an der F650 kaputt sind. An der R1100GS hat sich doch tatsaechlich die Verschraubung der Gabel mit dem Rahmen geloest, obwohl dies eine Verbindung auf Lebenszeit sein soll.
Zu Anfang macht uns der Pentecost River ein wenig Sorge, denn hier gibt es die gefaehrlichen Salzwasserkrokodile. Wir huepfen zwar maechtig ueber das steinige Flussbett, aber wir behalten die Fuesse oben. Sicher ist sicher. Wir wagen es hoch bis zum Mitchell Plateu. Hier gibt es wieder viel Wasser. Der Hoehepunkt ist erreicht, als wir unsere Motorraeder durch den King Edward River schieben muessen. Obwohl Kai immer noch den Schnorchel an seinem Ansaugstutzen hat, schaffen wir es nicht, durch eine fast einen Meter hohe Flussdurchfahrt zu fahren. Und da Kai und ich Pech haben, und niemand da ist, der uns helfen kann, muss ich ran. Und so schiebe ich die 250 kg Maschine locker durch das Flussbett. Gepaeck haben wir vorher ruebergetragen. Fuenf Mal musste jeder gehen. Zum Schwitzen kamen wir nicht, das Wasser war zu kalt.
Macht Spass zu lesen? Das Ende der Geschichte findet ihr in unserem Buch.
(Ulrike Teutriene, Esperanca / Australien, 20.08.2004)