Grenzerfahrung ...
Bikes on World Tour
die Silhouette von Angkor Wat

Angkor oder Wat

Eines der sieben Weltwunder, so wird Angkor angepriesen. Was sich marketing-technisch recht gut anhoert, entspricht zwar nicht den Tatsachen, aber dem Stolz der Kambodschaner. Die Silhouetten von Angkor Wat zieren die Nationalflagge und jeden Geldschein.

Angkor, das ist nicht nur Angkor Wat, dem wohl am haeufigsten besuchten und beschriebenen Tempel. Angkor umfasst eine 200 qkm grosse Flaeche oberhalb dem Tonle Sap, dem groessten Suesswassersee Suedostasiens. Es war das politische Zentrum der Khmer von 802 bis 1432 AD und umfasst Tempel und Palaeste der damaligen Koenige.  

Angkor Wat ist der besterhaltenste und auch groeste Tempel der gesamten Anlage. Allerdings ist es schwierig fuer uns die Perfektion der Architektur zu erkennen. Einfach zu viele Besucher moechten die besondere Ausstrahlung dieses Bauwerkes spueren. Fuer uns bleibt da nichts uebrig. Aber wir sind nicht boese drum, denn es gibt ja noch genug andere Anlagen zu bestaunen.

So machen wir uns morgens auf den Weg, um die 216 grossen Steingesichter, die den Bayon Tempel schmuecken, bei Morgenlicht zu sehen. Dieser Tempel bildet den geographischen Mittelpunkt von Angkor Thom, der “Grossen Stadt”. Angkor Thom war die religioese und administrative Hauptstadt des Khmer-Reiches. Eine Million Menschen gehoerten zu der Stadt, zu einer Zeit, in der London gerade mal 50.000 Einwohner zaehlte.

Bayon wurde Ende des 12. Jahrhunderts, ca. 100 Jahre nach Angkor Wat, gebaut. Der buddhistische Tempel hat 54 Tuerme, die jeweils mit 4 Gesichtern verziert sind. Es soll das Gesicht Koenig Jayarvarman VII sein und so eine Omnipraesenz darstellen. Die aufgehende Sonne und die sich aendernden Schatten lassen die Gesichter lebendig erscheinen.

Die Sonne klettert hoeher und es ist Zeit, ein schattigeres Plaetzchen zu suchen. Ta Prohm bietet sich an. Hier stiefelte Lara Croft durch die Ruinen, denn Tomb Raider wurde hier verfilmt. Ja, heute werden sogar schon Computerspiele verfilmt. Es ist sicherlich einer der meist fotografierten Tempel, denn anders als bei den meisten anderen grossen Anlagen, wurde Ta Prohm nur rudimentaer vom Urwald befreit. Und so klettern wir durch Ruinen, angetan von der Symbiose zwischen Baum und Stein. Stuetzt die Mauer jetzt den Baum oder der Baum die Mauer?

Aber wirklich fasziniert sind wir von Preah Khan, dem “Heiligen-Schwert”-Tempel. Abseits der Wege der Ein-Tages-Touristen finden wir einen Tempel, der uns gefangen nimmt. Stille, Zerfall, Urwald, Lichtspiele, verlassene Ecken, dunkle Gaenge, fette Spinnen, es ist, als ob wir jede Minute etwas Neues entdecken. Die Ost-West / Nord-Sued-Symmetrie ermoeglicht lange Blicke durch die zerfallenen Korridore. Es gibt genug Moeglichkeiten, kleine entlegene Ecken zu finden, die wunderschoene Statuen und Reliefs beherbergen. Dieser Platz hat fuer uns eine besondere Atmosphaere und wir sind hier mehr als einmal (nämlich genau zweimal), um durch die Ruinen zu klettern.

Macht Spass zu lesen? Weiter geht es in unserem Buch.

((Ulrike Teutriene, Trat / Thailand, 15.01.2004)

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