Grenzerfahrung ...
Bikes on World Tour
die R 1100 GS ist verpackt
alles wird vom Zoll versiegelt

One Way to Bangkok

Wir haben es geschafft: unsere Motorräder fliegen nach Thailand. Was sich so einfach in einem Neun-Wörter-Satz beschreiben lässt, hat doch einiges an Mühe und Zeit gekostet.

In Kathmandu den richtigen Agenten auszusuchen, der für uns die ganze Air-Cargo-Abfertigung macht, ist nicht sehr schwer. Schon andere vor uns haben das gemacht und ihr ganzes Wissen und Erfahrung auf DER Traveler Homepage "Horizons Unlimited" allen zur Verfügung gestellt. Die Details sind mit dem jungen Mann bei einem netten Frühstück schnell besprochen. Es scheint, als ob er wirklich sein Geschäft versteht. Das Hoffen wir jedenfalls.

Einen äußerst schwierigen Teil der Vorbereitung stellt das Packen der Sachen dar. Da die Kisten evtl. nach Kilos abgerechnet werden, ist es wichtig Unnötiges auszusortieren. Sprich, was wir seit Anfang der Reise nicht benutzt haben, bzw. seit Indien, ist wohl nicht wirklich nötig und kommt entweder in den "Spendenrucksack", in den Müllsack, oder in den Sack, den wir nach Hause schicken werden. Es dauert ganz schön lange und manche Sachen wandern auf dem Bett hin und her, von der Müllecke in die Spendenecke, in die Nachhauseecke, zurück in die Spendenecke... . Manche Sachen werden wirklich erst ganz zum Schluss zugeordnet. Ist nicht einfach, denn da wir nun schon mit wirklich kleinem Gepäck reisen, ist es schwer, noch weiter auszusortieren. Aber wir haben einfach zu viel Gewicht (also nicht Kai und ich, obwohl uns die Faulenzerei und das gute Essen in Pokhara doch wieder einige Zentimeter mehr auf die Hüften gebracht haben). Die Mopeds sind halt recht schwer. Das merken wir besonders dann, wenn uns mal wieder eins umgekippt ist und wir es zu zweit kaum wieder hoch bekommen.

Der eigentlich Kraftakt beginnt, als die Motorräder durch den Zoll gebracht und versandfertig gemacht werden müssen. Morgens um 10.00 Uhr geht es mit allem Gepäck zum Cargo-Gebäude des Flughafens. Dorthin kommt auch der Tischler, der für uns Holzboxen baut. Er hatte jeweils nur die Seitenteile, Deckel und Boden gemacht, der Rest wird vor Ort zusammen gezimmert. Heißt, die Boxen werden um die Motorräder herumgebaut. Da die Kisten nach Gewicht oder Volumen gehen (jeweils das teurere muss bezahlt werden), ist es wichtig sie so klein wie möglich zu machen (Details siehe unten). Wir bauen also bei der F650 den Motorschutz ab, auch der Lenker wird abgeschraubt und das Vorderrad herausgenommen. Meine Kiste ist ziemlich klein, Rick, der Engländer, mit dem wir zusammen rüber fliegen, meint, es passt maximal ein kleiner Elefant rein. Bei Kais Motorrad bauen wir die Frontscheibe ab, der Lenker erleidet das gleiche Schicksal wie meiner, und auch das Vorderrad wird deplatziert. Trotzdem sieht die Holzkiste noch wie eine Schrankwand aus. Kai kann dafür in seine Box noch einen Großteil des Gepäcks nehmen, irgendwie muss so ein große Motorrad ja auch Vorteile haben. Mittendrin, beim Einpacken stellen wir fest, dass die Kisten von Kai und Rick ca. 2 Zoll zu hoch. Falls die Kisten per Kubikmeter abgerechnet werden, macht das einen ganz schönen Unterschied. Also muss der Tischler die Kisten direkt vor Ort niedriger machen. Meine ist zu lang, also auch hier, ritze ratze, in die Kiste eine Lücke. Ich hätte nicht gedacht, dass das so einfach möglich ist, aber der Tischler fängt sofort damit an, ohne zu murren. Aber Kais Gesicht sieht in diesem Moment auch nicht nach Widerworten aus. Er kann ganz schon bestimmt schauen, wenn es ein wenig stressig wird.

Bevor alles in die Boxen kommt, muss der Zöllner natürlich noch einmal alles untersuchen. Das heißt, dass wir alle Taschen und Kisten öffnen müssen und er auch tatsächlich alles mehr oder weniger gründlich untersucht. Die kleinen Gewürztütchen, die wir von Pizza Hut mitgenommen haben (diese kleinen Tütchen, die man bekommt, wenn man Pizza nach Hause geliefert bekommt und die ein wenig Pizzagewürz enthalten), machen dem guten Mann doch sehr nachdenklich. Offensichtlich kennt er Pizza Hut nicht. Aber seine Kollegen können ihm versichern, dass es etwas zu essen ist (und nicht zu rauchen).

Die Boxen werden mit Stahlband verschlossen und anschließend versiegelt. Und dann müssen die Kisten zum Wiegen. Nix mit "Kisten auf den Gabelstapler und los gehts". Es kommen ganz viele kleine Nepalis und die schieben die Kisten zur Waage (immerhin eine digitale Waage) und dann, wupp wupp, 10 Mann, vier Ecken, wird die Kiste auf die Waage gehoben. Kais ist 380 kg schwer, meine 255kg, wie Rick schon sagte, ein kleiner Elefant...

Macht Spass zu lesen? Das Ende der Geschichte findet ihr in unserem Buch.

 

Die Fakten unserer Air Cargo Versandes:

Die Kiste fuer die R1100GS war 91x34x46 inch gross. In der Hoehe haetten wir noch 2 inch einsparen koennen. Die Kiste wog 380 kg, nach der Volumengewicht 91x34x46/366=389 kg, es gilt immer das hoehere Gewicht. Das Vorderrad wird entfernt, der Lenker geloest und verschraenkt. Dann wird das Motorrad mit den Gepaeckgurten an der Bodenplatte fixiert. In die Hohlraueme passen die Boxen und etliches Kleingepaeck. Jacken und weiches Gepaeck kann als Schutz fuer die empfindlichen Lackteile wie Tank genutzt werden. Ulrikes Box ist 73x25x44 inch gross = 219 kg, sie wog 255 kg. Viel Platz fuer zusaetzliches Gepaeck ist nicht vorhanden, die Box ist sehr knapp bemessen, die Maschine sehr schmal. Benzin haben wir bis auf die Reserve in Tank abgelassen und an die Nepalis verkauft, die Batterie muss abgeklemmt werden, die Luft wird aus den Reifen gelassen. Danach werden die Boxen mit Metallbaendern verschlossen und muessen zwei Tage im Zollbereich stehen bleiben, da es sich wegen des Benzins um gefaehrliche Gueter handelt.

Die Kosten berechnen sich aus dem Gewicht 608 kg x 1.07 USD = 650.56 USD. Dazu kommen noch die Dangerous Goods Declarations 2 x 20 USD, die Airway Bill 2 USD umd die Frachtversicherung (0.63%) mit 46.50 USD, die Boxen mit 111 USD (4000 NRp pro Box, wiegen 50 kg), die Handling Fees fuer den Agenten mit 42 USD (1500 NRp pro Bike), macht zusammen 892 USD und da der Euro ja so guenstig steht 731 Euro. Die Tickets nach Bangkok kosten 220 USD pro Person, am Flughafen werden 16 USD pro Person Flughafengebuehren erhoben. Summa summarum sind das 1364 US-Dollar oder 1118 Euro. Auf der Airway Bill muesst ihr mit Namen als Consignee (Empfaenger) genannt werden, da nur diese Personen die Waren abholen koennen. In Bangkok muss ein langer Tag fuer das Abholen eingeplant werden, Kosten 1BT pro kg plus 200 BT Gebuehren, 808 BT oder rund 17 Euro.

((Ulrike Teutriene, Kathmandu / Nepal, 25.11.2003)