Grenzerfahrung ...
Bikes on World Tour
die neue Motorradhose sitzt echt gut
Ulrike im Chaos der Renovierung
ein paar Tränen beim Abschied durften schon fliessen
Abfahrt von Düsseldorf am 17.05.2003

Sanfter Aufstieg

Wir haben es geschafft: wir haben den Inhalt zweier Wohnungen auf 25 qm eingelagert (inkl. Kellerinhalte), die Wohnungen renoviert, zweimal den Sperrmülltag voll ausgenutzt, das Kamener Kreuz Richtung Nord-Osten überwunden, Abschied von der Familie genommen und Visa für Pakistan und Indien bekommen.

Wir haben den sanften Ausstieg aus der Anzugs- und Kostümchenwelt gewählt. Also fahren wir erst nach Würzburg, um uns bei Bernd breit zu machen. Den ersten Abend verbringen wir in einer der vielen unvergleichlichen Heckenwirtschaften. Gute Hausmannskost für kleines Geld und leckerer eigener Wein: mehr brauchen wir nicht für einen guten Abend.

Von Würzburg aus geht es noch einmal zurück nach Frankfurt, die Visa besorgen. Klappt ausgezeichnet. Besonders, da Angelika, Ulrikes beste Freundin, jemanden kennt, der den pakistanischen Konsul kennt. Den Abend in Frankfurt verbringen wir urgemütlich in Angelikas kleinen Kueche. 5 Leute + 2 Hunde um einen kleinen, aber um so reichlicher gedeckten Tisch. Das Leben kann so schoen sein.

Wieder zurueck nach Wuerzburg, wieder ab in die Hecke. Am 21. Mai nehmen wir Abschied von Bernd, um Deutschland Richtung Tschechien zu verlassen (Tschechei hoeren die Tschechen nicht so gerne). Das wir es nicht innerhalb eines Tages schaffen, die 300 km bis Prag hinter uns zu bringen, ist klar, wir sind halt noch langsam. Wir haben Zeit und schauen uns ein wenig die Gegend an. Das Erzgebirge hat seinen Charme und wir bleiben gern eine Nacht in Oberwiesental, der Heimat von Jens Weissflog. Die Aelteren unter uns werden ihn noch kennen (fuer alle anderen: dreifacher Olympiasieger, zweifacher Weltmeister und viermaliger Gewinner der Vierschanzentournee und damit der erfolgreichste Skispringer aller Zeiten; da muessen Hanni & Co. noch einige Butterbrote essen).

Donnerstags ist es dann soweit, wir verlassen Deutschland und erreichen Bubovice, kurz vor Prag, die Wahlheimat von Anne, Martina, Anna und Robin. Auch dort werden wir wie zu Hause aufgenommen. Anna, die Tochter von Martina, kommt morgens in unser Bett fuer ein kleines Schmusi. Robin, ihr kleiner Bruder, fuettert uns abends mit seinem angekautem Brot. Da wir bereits eine leichte Erschoepfung spueren, lassen wir die Motorraeder zwei Tage stehen und amuesieren uns auf andere Weise. Wir helfen im Garten und bauen eine Bruecke (schrecklich sympoltraechtig, nicht wahr?), und wir nehmen die Mountain Bikes und erkunden die Gegend. Kai ist begeistert und denkt sich schon Touren in die Wildnis aus, Ulrike ist einfach nur kaputt und sonnenbrandig.

Montag, den 26. Mai machen wir uns schweren Herzens auf den Weg. Zu schoen waren die die vier Tage im Garten im Bubovice. Ab nun gilt es, neue Freundschaften zu schliessen. Niemand, der auf uns wartet. Das wirkliche Abenteuer beginnt.

Ach ja, erstaunliche, wenn nicht sogar philosophische Erkenntnisse haben wir uebrigens beim Sperrmuell gesammelt. Es gibt sie doch noch: kleine, wohlfunktionierende kommmunistische Biotope, und das mitten in Hilden. Was der einzelne nicht mehr benoetigt, stellt er an die Strasse und damit der Allgemeinheit zur Verfuegung. Wer etwas benoetigt, nimmt was er braucht. Nicht mehr, nicht weniger. Um den Rest kuemmert sich die oeffentliche Hand und fuehrt es einer sinnvollen Verwendug zu. Ein Geben und Nehmen: Ob Marx sich das so vorgestellt hatte???

(Ulrike Teutriene, Bulgarien, 11. Juni, 2003)